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L'Age D'or Die Aeronauten – Zu Gut Für Diese Welt (Best Of)

Zu Gut Für Diese Welt (Best Of)

Album-CD - 17117-2

out Feb 04

about Die Aeronauten

Lado Classix Platte zum netten Midprice, mehr Infos dazu auf unserer Classix-Microsite

„Es schneit, schneit, was vom Himmel herunter mag, und es mag Erkleckliches herunter: Das hört nicht auf, hat nicht Anfang und nicht Ende. Einen Himmel gibt es nicht mehr, alles ist ein graues weißes Schneien. Eine Luft gibt es auch nicht mehr; sie ist mit Schnee und wieder mit Schnee zugedeckt.“ (Robert Walser)

„Es tut nicht weh, es ist nur Schnee / kaltes Weiß bedeckt den Scheiß“ (Die Aeronauten)

„Zu gut für diese Welt“ heißt dieser Werküberblick der Aeronauten, und da liegt die Frage nahe: Wie müsste eine Welt beschaffen sein, die gut genug für die Aeronauten wäre? Es wäre eine Welt, in der man sich von Popmusik keine Illusionen versprechen würde, sondern gut erzählte Ausschnitte aus der Wirklichkeit. Es wäre eine Welt, in der man sich nicht von Großsprechern blenden lassen würde, sondern zurückhaltenden Charme zu schätzen wüsste. Es wäre eine Welt, in der nicht um jeden Preis dem Neuen nachgejagt würde, sondern das beharrliche Feilen an einem Entwurf belohnt würde.

Man könnte es gut aushalten in dieser Welt, aber würde man nicht den Thrill des Neuen etwas vermissen? Sind nicht Illusionen und Versprechungen auch etwas Schönes? Vielleicht ist der Albumtitel der Aeronauten etwas zu defensiv gewählt. Denn auch in dieser Welt, wie sie ist, sind die Aeronauten etwas Besonderes. Wir wollen hier mal ganz großsprecherisch behaupten: Wer mit dieser Best-of-Platte die Aeronauten neu entdeckt, findet eine grandiose Band, wahrscheinlich eine der zehn besten deutschsprachigen Popbands der letzten zehn Jahre.

Die Aeronauten hatten von Anfang an, seit 1991, eine schlagend gute Idee für ihren Sound: Sie paarten das Rumpeln des Garagen-Rock mit aufputschenden Bläsern. Bald schon schlich sich eine leichte Melancholie in ihre Songs, aber das machte nichts, weil sie entdeckten, dass ihre Gitarren nicht nur rumpeln, sondern auch trösten konnten, und ihre Bläser auch so wunderbar traurig klingen konnten. Und nach zehn Jahren lernten sie dann auch noch zu swingen – sie wurden eine komplette Band, in der Art wie man von „kompletten Fußballspielern“ spricht.

Fast alle Texte für die Aeronauten hat Olifr Maurmann geschrieben; er schreibt so viele Songs, dass er noch ein Soloprojekt namens Guz braucht, um sie alle unterzubringen. Er ist ein genauer Beobachter, von Subkulturen („Freundin“, „Sexy Welt“), von Generationskonflikten („Bettina“, „Countrymusik“), von Liebe und Freundschaft („Schuldigung“, „Du bist nicht allein“). Manchmal ist er vor allem lustig („Weltmeister“), manchmal lässt er uns an Spleens teilhaben („1:72“), manchmal aber – und das sind ganz große Momente – hat seine Sprache eine Dichte und Wucht, die man kaum anders als literarisch nennen kann („Schnee“, „Schwarzer Fluss“). Olifr singt diese Texte mit einer Grabesstimme, in die er manchmal ganz feine Ironie mischt.

Die Songs der Aeronauten haben also oft subtile Momente, aber wenn eine gute Pointe in der Nähe ist, nehmen sie die sehr gerne mit. Das ist so eine Paradoxie, die dieser Band zugrunde liegt. So wie sie ihre Konzerte immer und vor allem als Entertainment auffassen, sie als Showmen auftreten. Aber abseits der Bühne zählen die Aeronauten zu den angenehmsten, entspanntesten Menschen, denen man unter Musikern begegnen kann. Sie sind so uneitel – das mag ihnen im eitlen Musikgeschäft gelegentlich geschadet haben, aber deswegen haben wohl alle, die sie je getroffen haben, sie in guter Erinnerung.

Die Aeronauten haben von 1993 bis 2001 fünf Alben veröffentlicht. Die besten Songs davon sind auf dieser
Best-of-Platte zu hören (wirklich, die Auswahl ist nahezu fehlerlos), dazu kommen Raritäten und Unveröffentlichtes. 25 Tracks zwischen Beat und Soul, zwischen Lachen und Nachdenken – zur kompletten Aeronauten-Erfahrung fehlt dann nur noch ein Konzertbesuch, aber siehe da: Sie kommen auf Tour.

Ach so, man wird es nicht verschweigen können: Die Aeronauten kommen aus der Schweiz. Warum sollte man es auch verschweigen? Die Schweiz ist ein schönes Land, bewohnt von netten Menschen. In Deutschland hat ihre Herkunft am Anfang wahrscheinlich die Neugier auf die Aeronauten geweckt, aber mit der Zeit zu so vielen schrecklichen Klischees in vielen Artikeln geführt. Wirst Du, Leser/in dieser Zeilen, in Deinem Beitrag darauf verzichten können?

Felix Bayer

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