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Richard von der Schulenburg "Das ist schön"

In der Liebe hat der romantische junge Mann manchmal nur einen einzigen Versuch. Deshalb will das Musikstück gut ausgewählt sein, das er endlos auf die Kassette aufnimmt, die er der Angebeteten unters Kopfkissen schmuggelt. Um es kurz zu machen: Richards "Lieben tun" wäre die perfekte Wahl:

Zärtlich-erotisch, aber nicht mit der Tür ins Haus fallend. Grammatikalisch grenzüberschreitend, aber nicht zu intellektuell. Und ganz und gar frei von jedem Kuschelrock-Abschleppertum-Verdacht. Und wenn es mit dem schnellen Geschmuse nicht gleich klappt, dann kann man zu "Lieben tun" auch tanzen. Und der Schönsten aller Schönen dabei schlaue Dinge ins Ohr raunen wie zum Beispiel: "Findest du nicht auch, dass die Rhythmuseinstellung "Rock 1"

des Casio MT selten ein solches Feuer entfacht hat?"

Seine Songs heutzutage zuhause auf analogem Orgel- und Rhythmus-Equipment aufzunehmen – der erfahrene Homerecorder jault sofort gequält auf:
Oh nein, die Synchronisationsprobleme!"- ist wahrscheinlich der grösste Liebesbeweis, den man ihnen machen kann. "Ich liebe euch alle" krönt Richard per Vocoder-Stimme das gleichnamige Instrumental der "Lieben tun"-Single und wenn er über seine Songs – der älteste, Kuschelsong, immerhin fünf Jahre alt – redet, dann wie ein stolzer Papa:
Bei "Das ist schön" muss er "immer ein Bisschen an Mozart denken", zu "Im Regen" grinst er: "Leicht schief gesungen… Aber wer singt schon perfekt, so verliebt und im Regen?"
"Liebe Am Fluss" ist für ihn "neue deutsche alte Tanzmusik. Die Hi-Hat vielleicht ein wenig technoid. NDW inspiriert? Hm, so ein orientalisches Ende haette es 1981 nicht gegeben".

Und dann wieder ist er sehr bescheiden: Sein 10-Minuten-Orgel-Opus "Im All" fasst er bündig zusammen: "Ich sag mal: Progressive Rock ist da auch drin".
Und dann singt er "Flieg mit mir zum Mond": "Der Bart-Howard-Klassiker in deutscher Version. Natürlich nicht so plump und krude übersetzt, wie es die Bravo gerne tut.

Und natürlich auch eine Anspielung an die Hamburger Schule, speziell Die Sterne. Das Stück haben wir 2001 auf Die-Sterne-Konzerten gerne als Zugabe gespielt. Schön nicht?"

An "Das ist schön" – benannt nach Richards unvergessener Veranstaltungsreihe in der Meanie-Bar auf dem Hamburger Kiez, siehe Biographie – ist schön, dass man dieser Platte die Liebe anhört, die ihn ihr steckt – und vor lauter Pluckerrhythmen, Kindergarten-Drum-Fills, Jazzsprengseln, Disco-Humpeln und warmer, analoger Elektronic-Klänge die Tüftelarbeit nicht bemerkt, die Richard zum Mix gar bis nach Liverpool führte.

Und dort natürlich ins George Martin Studio.