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Phillip Boa

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»Ich bin letztlich ein Songschreiber, ein Erzähler von Geschichten aus meiner eigenen , verschrobenen Welt. Eine Art gesünderer Mark E. Smith. Glücklich isoliert.«
sagt der Ex-Popstar. Er sagt das lächelnd und mit leiser Stimme. Und schaut dann schnell wieder auf seine Knie.

Phillip Boa sieht aus, als hätte er die letzten zehn Jahre das Altern einfach vergessen. Ein ziemlich großer, ziemlich schüchterner, etwas unsicherer Junge.

Der bei aller Unsicherheit erstaunlich gut damit umgehen kann, dass einer wie ich, der sich in sein Debut »Philister« – erworben nach der Lektüre eines Spex-Artikels – noch auf Anhieb verliebte, und auch die beiden darauf folgenden Alben »Aristocracie« und »Hair« emsig rauf und runter dudelte, der Boas Engagement als Indie-Label-Betreiber (Constrictor) die Kenntnis großartiger Bands wie Tallulah Gosh und The Membranes verdankt, mit etwa 80 Prozent seines musikalischen Outputs reichlich wenig bis überhaupt nichts anfangen kann. Und das weder, weil ihm meine Meinung schnurzpiepegal ist, noch weil er sein Schaffen jenseits aller Kritikerschelte glaubt. »Abseits« vielleicht. Immerhin ein Ort den er selbst über die Jahre zu seinem Zuhause erklärt hat. Völlig wertfrei. Aber never ever »Jenseits«. Auch wenn er, Boa, sich in seinem Abseits gelegentlich jenseits von Gut u. Böse wähnte. Er kennt das. Kennt meine Beziehung zu ihm als Künstler. Nicht von mir. Auch nicht von seinen Fans, die ihn über all die Jahre am Leben erhielten. Von anderen, aber irgendwie auch von sich selbst. Nicht, dass es ihm an der Fähigkeit mangelt über sich selbst zu lachen, aber Distanz erleichtert eben auch die kritische Auseinandersetzung.

Und der Ex-Popstar war sich selbst immer sein größter Kritiker, sein größter Bewunderer wie auch sein ärgster Feind. Der Kritiker Boa gab des Künstlers Boas Wolf. Mit insgesamt acht »NME/Melody Maker/Sounds – Singles Of The Week« und »NME Albums Of The Week« für die Songs seiner ersten drei Longplayer im Nacken hetzte er sich selbst auf die Insel. Verbarrikadierte sich in einem beinernen Bergfried.

»Natürlich verwöhnt das. Konditioniert sich. Und bildete dann ab dem Album >Hispanola< eine Art unerreichbare Erwartungshaltung. Daraus entwickelte sich ein Druck, den ich wohl mit ständigem Schreiben und Veröffentlichen von Songs und Alben kompensiert habe. Zeitweise sicher mit Realitätsverlust, denn merkwürdigerweise war die darauffolgende Zeit bis etwa 1995 die kommerziell erfolgreichste. Ich brauchte Jahre, mich damit abzufinden, dass angeblich mit »Philister«, »Aristocracie« oder »Hair« für mich selbst als Künstler ein unerreichbarer Maßstab gesetzt war.«