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Jonas

Jonas
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Nirvana, Melvins, TAD und Mudhoney diese Aufzählung von Lieblingsbands vermutet man wohl eher von Ende 20ern als von 18 jährigen.
All zu gern werden JONAS, eben jene 18 jährigen, deren ganze Treue diesen “unzeitgemäßen” Songschreibern gilt, an dem Vermächtnis rund um die bekannten Namen verglichen, gemessen und beurteilt. JONAS – bestehend aus Matthias Exler (Gitarre/Gesang), Ole Petras (Gitarre), Jan van Triest (Baß) und Sebastian Fremder (Schlagzeug) – verstehen es aber, nicht ihre Vorbilder konsequent nachzuahmen, um so den scheinbaren Grungekult künstlich aufrecht zu erhalten. Vielmehr versuchen sie sich über einen Musikstil zu artikulieren, der Ende der 80er auflebte, und ihre Gefühle und Gedanken aus Beweggründen, die eben aus dem Hier und Jetzt – dem Ende der 90er – stammen, in ihrer Musik umzusetzen. Kein Wunder also, dass bei jedem Akkord und jedem noch so gewagten Schrei nicht nur die Bands wiederzuerkennen sind, von denen JONAS inspiriert wurden, sondern die ganze Leidenschaft, die für und in ihren Songs mitschwingt.
Auf September Sex Relationship (ihrer Debutveröffentlichung) und bei Auftritten basieren die Songs auf dem selben Konstrukt. Fernab von in-und-out Ansprüchen des Umfeldes oder anderen geforderten Peinlichkeiten der Jugend, ist es die Suche nach der Möglichkeit all das, was in einem brennt und bebt, in Musik umzusetzen, anstatt es in sie hinein zu projizieren.
Jetzt ist das 2. Album, unter der Produktion von Jan Müller (Tocotronic) bei Rock-O-Tronic/L´Age D´Or erschienen Aufgenommen wurde es diesmal im Soundgarden Studio in Hamburg.
Auf einer Tour während der Sommerferien kamen JONAS das 1. Mal gemeinsam aus ihrer Heimatstadt Bad Bentheim raus, um Live-Erfahrung zu sammeln. In dieser Zeit haben JONAS gelernt, nicht nur starke Nerven zu schätzen, sondern auch auf die Fingerfertigkeit ihres Bassisten Jan zu vertrauen.
So kommt es schon mal vor , dass zwischen zwei Auftritten Umwege gefahren werden müssen, um geduldige Gitarrenhändler mit den nötigen Ersatzteilen aufzusuchen. Denn wenn Matthias bei Konzerten nach unzähligen Posen und Gesten, die das Publikum eher einen auferstandenen Kurt Cobain vermuten lassen, Gitarren und Verstärker zu infernalen Rückkopplungen zwingt, um dann das Equipment zu zerstören, dann mag das jenseits der Bühne für Verblüffung, wenn nicht sogar für Unbehagen sorgen. Für Jan heißt das aber nicht mehr, als daß er – in der Elektrikerausbildung, Eingetretenes, Abgerissenes und zertrümmertes reparieren muß – mit Liebe zum Detail, versteht sich.
Doch es besteht ein Unterschied in der Umsetzung zwischen der Platte und den Konzerten – so tauschen JONAS Gewispertes gegen Schreien, pulsierenden Hintergrund und gedroschene Unterbrechungen, feinfühliges Gitarrengeschnörkel gegen unglaubliche, verzerrte Lärmwände, die sich zunächst Stück für Stück aufbauen, um abrupt über einem einzubrechen. Genauso wie Melancholie und Wehmut, die normalerweise am Ende der 90er zu verstecken versucht werden, bei JONAS aber in so einem Selbstbewußtsein, wie Selbstironie öffentlich gemacht wird, dass es beneidenswert ist.
Haben JONAS 100% ihren Stil gefestigt, werden sie zwar weiterhin unvermeidlich an Grunge erinnern, aber zeitlos unzeitgemäß sein von einem ganz eigenen Charme.