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Johnny Liebling

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Wenn Johnny Liebling ernst macht, fängt der Spaß erst an. Auf dem mit Chris von Rautenkranz im „Soundgarden“ Studio produzierten Debüt „Goldene Zeiten“ setzt sich die sicherlich beste und wahrscheinlich älteste Newcomerband des Landes stilsicher in Szene. Und selbstsicher zwischen alle Stühle. Mit klaren Worten und einer einzigartigen und erdigen Mixtur aus Schicksals-Schlager, Polka-Jazz und Bukowski-Beat. Man merkt dieser fünfköpfigen Naturgewalt, die als „Johnny Liebling“ nun schon seit geraumer Zeit in Hamburg Schule macht, in allen Texten und Tönen das pralle Leben an. Man spürt förmlich, dass diese Herren wissen, wovon sie singen. Vor allem hört man, dass es ihnen Anliegen, Erlösung und Erleichterung ist, diese Musik so und nicht anders zu spielen. Was Johnny Liebling auch macht, es ist immer Lieblingsmusik.

„Goldene Zeiten“ zu hören ist ein Erlebnis. Etwa so, als würde man eine Kneipentür öffnen und dahinter ein Universum entdecken. Einen ungeschminkten Kleinstkosmos voller Vampire, Vagabunden und Feiglinge. In dem sich verzweifelte Typen für eine Hure die Ohren abschneiden oder verletzte Seelen ihre zuhause gezüchteten Krallen ausfahren. Lieben und leben lassen, bei der unsentimentalen Rückschau oder im verbalen Nahkampf. Tiefe Texte und schwere Klänge regieren dieses Sinnreich der Authentizität so überzeugend wie überwältigend. Auch klanglich sehr direkt und unverfälscht, weil „Johnny Liebling“ alles live und gemeinsam im Studio eingespielt hat. „Wir sind zusammen gekommen, um endlich wieder miteinander Musik zu machen“, erzählt Sänger Chris Kiel. „Ursprünglich nur für uns. Aber wir haben schnell gemerkt, dass es eigentlich nur auf die eine Art geht: Die ganze.“ Nach ein paar Monaten im Übungsraum hatten Kiel und Ralph Beulshausen (voc., tp., etc.), Rüdiger Hensel (dr.), Kim Kiesling (b.) und sein „Wohlklang Studio“ Partner Martin Fekl (git.) ein erstes Repertoire und die günstige Gelegenheit, es live zu spielen. „Die Resonanz auf unsere nur per Mundpropaganda angekündigten BarGigs war ungeahnt“, erzählt Kim Kiesling. „Vielleicht auch“, wirft Martin Fekl ein, „weil wir eben nicht danach geschielt haben, ob das jemand so hören will oder nicht.“ Das klingt nach Erfahrung. Nicht unbedingt guter. Schließlich hatte man ihnen schon Mitte der 90er, als große Teile der Band noch „Lovekrauts“ waren, einen Stern in den rockigeren Regionen des Popfirmaments prophezeit. Chris Kiel, einer der Sänger, verschwendete einige Jahre und jede Menge Liebesmüh an eine Major-Produktion, die am Ende nicht mal veröffentlicht wurde. Verbittert sind die Mannen von „Johnny Liebling“ deshalb nicht. Trotzdem stammt der Bandname aus dem Film „Angel Heart“. „Die Geschichte von dem Sänger, der seine Seele an den Teufel verkauft um Erfolg zu haben, gefällt mir ganz gut“, raunt Chris Kiel. „Fernab davon, dass das Liebling zieht.“ Ralph Beulshausen, mit diabolisch breitem Grinsen, legt noch einen drauf: „Die Geschichte sagt aber auch, dass es der Boss nicht immer gut mit uns meint.“

Im Alleingang, also frei von Bossen, Vorgaben oder sogar Zwängen, erarbeiteten sich „Johnny Liebling“ ihren Sound. Gemeinsam und Stück für Stück, weshalb die eigenen Songs natürlich alle „geschrieben und produziert von Johnny Liebling“ sind. Die wenigen Texte, die nicht von den beiden Sängern kommen, und die wenigen Songs, die nicht aus der gemeinsamen Arbeit entstanden sind, stammen von Freunden und Idolen. Etwa „Heroin“ von Tobias Gruben von „Die Erde“ oder „Karl“, die Übersetzung eines Tom Waits-Textes von Heiner Pudelko (Interzone). Und „Champions“, unverkennbar ein vertonter Bukowski-Text. Dazu Referenzen und Reminiszenzen an Kinski, Hemingway und Mario Puzos „Der Pate“. Sogar Gäste gibt es: Eine säuselnde Französin spricht „Vampire“, die zauberhafte Lalah duettiert sich mit Chris bei „Quelle“ und der Jamaikaner Running Waters bereichert „Prinzen“ mit seinem godfatherlichen Patois. „Bei diesen Songs scheint immer eine positive Grundeinstellung durch, egal wie weit oben oder unten man gerade ist“, weiß Chris Kiel. „Wir machen Musik aus Leidenschaft. Das ist unser Weg. Und das merkt man auch, denke ich.“ „Johnny Liebling“ geht diesen nicht immer geraden Weg genüsslich und konsequent. Wer mit will, muss sich nur ein wenig in „Goldene Zeiten“ vertiefen. Oder vertiefen lassen, schon durch die ersten, süchtig und sehnsüchtig machenden Tönen dieser gnadenlosen und unschlagbar guten Musik. Die Echtheit liegt in den Songs, die Wahrheit in den Texten. Eben auch diese: „Es ist niemals zu spät, wenn man mal weiß wie’s geht.“ Wenn „Johnny Liebling“ zu spaßen anfängt, wird es ernst.

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