Die Sterne
DVD/CD-Paket - 17158-8
out Nov 04
Die Singles.
Die immer noch, die fast und die heimlichen Hits als Video auf DVD. Und – damit wirklich alles drauf ist – mit etwas anderer Tracklist auf Audio CD. Um das dann wirklich prall zu machen (by the way: gab es mal eine DVD, die sich des schlanken Minimalismus rühmt?) dazu reihenweise Konzertmitschnitte, Fernsehauftritte und einen von den Sternen kommentierten Fotospaziergang durch Studios, Clubs und touristische Highlights aus 12 Jahren Bandgeschichte mit und ohne Zahnlücke. Als Singlesammlung ein Bogen von „Fickt das System“ (was schon die Fähigkeit zeigt Eindeutigkeiten so einzusetzen, dass sie auf den zweiten Blick in ihre Einzelheiten zerfallen) über Konsenssongs wie „Universal Tellerwäscher“ und „Was hat dich bloss so ruiniert“ zum programmatischen „Gerechten Brett“ und dem aktuellen „In diesem Sinn“. Oder eine Bandgeschichte als Videoreise vom Bolzplatz auf dem sich die Band auch ansonsten betätigte bei „Wichtig“ über Marseille „Trrrmmer“ via Wendlingen – der Kleinstadt in uns allen „In diesem Sinn“ und abstrakten Räumen „Von allen Gedanken“..., „Abstrakt“ immer mal wieder zurück nach Hamburg.
Die Gelegenheit die Geschichte einer Band neu zu entdecken, die vieles als erste gemacht und dabei Türen geöffnet hat.
Chronologie:
Nach prägenden Erfahrungen in der Bad Salzuflener Fast-Weltweit-Szene und zwei Singles in anderer Besetzung unter dem Namen Die Sterne zieht Sänger und Texter Frank Spilker 1989 nach Hamburg. Frisch angekommen, trifft er auf Christoph Leich, Frank Will und Thomas Wenzel. Sie haben bereits Erfahrungen in einer Ursuppe gemacht, die später Hamburger Schule genannt wird. Vielleicht weil zu diesem Zeitpunkt schon begonnen wird dieses noch namenlose Umfeld stilistisch einzukreisen wollen sie gemeinsam dessen Sprache erweitern. Die „neuen“ Sterne begeistern sich für Hip Hop inspirierte Zitate und Funk. Den können sie zwar nicht spielen, aber umso hingebungsvoller darbieten.
Schon auf der ersten EP für L`Age d`Or FICKT DAS SYSTEM (1992) zeigt sich eine Sterne-typische Technik: Scheinbare Eindeutigkeiten zerfallen auf den zweiten Blick in mehrere Bedeutungsebenen.
Über zwei Alben (WICHTIG 1993, IN ECHT 1994) hinweg reifen sie von den kleinen Geschwistern der Ur-Ladobands wie Huah! und Ostzonensuppenwürfelmachenkrebs zum Aushängeschild des Labels. Auch weil sie immer eindrucksvoll den Anspruch untermauern, eine Liveband zu sein. Bei den ersten Singleveröffentlichungen zeigt sich eine Eigenschaft, die sich erhalten wird: Eine Single steht bei den Sternen immer auch für das dahinter stehende Album. Nicht selten ist sie das zentrale Stück. Die letzte Auskopplung von IN ECHT „Universal Tellerwäscher“ weist auf Kommendes hin: Der noch junge Sender Viva lässt das Video rotieren und auf der folgende Tour erscheint auf jedem Konzert eine Gruppe von Zuschauern, die Die Sterne vor allem aus dem Fernsehen kennen.
Zeitgleich mit Tocotronic und Blumfeld sprengen sie die Grenzen der Szene. Das Album POSEN (1996), das auf Epic/Sony erscheint, bringt eine Vervielfachung der Zuhörerzahlen. Vieles kommt auf den Punkt, was sich auf Wichtig und In Echt angedeutet hat. Erstmals stehen die Mittel zur Verfügung, um die Ideen wirklich auszuformulieren. POSEN markiert den Weg vom Pro Forma Studenten aus der St. Pauli Boheme in die fremde und seltsame Welt des Kapitalismus und die
Auseinandersetzung damit. Die Platte gebiert Slogans wie „Scheiß auf deutsche Texte“, Hymnen wie „Was Hat Dich Bloß So Ruiniert“ und mehr Hits, als auf diese Compilation passen.
Das folgende Album VON ALLEN GEDANKEN SCHÄTZE ICH DOCH AM MEISTEN DIE INTERESSANTEN (1997) steht im Ansehen der Fans oftmals im Schatten des übermächtigen Posen. Die Ideen des Vorgängers werden weitergeführt, ergänzt und ausformuliert. Das Album ist durchzogen von der Auseinandersetzung mit Abstraktion und Wahrnehmung. Es enthält einige der bis heute besten Sterne-Songs, die auch heute noch Teil der Konzerte sind.
Bei WO IST HIER (1999) sucht die Band nach Veränderung. Das Umfeld der Anfänge existiert nicht mehr, die Platte wird zum Versuch einer Standortbestimmung am Ende der Ära Kohl, sowohl für die Band als auch die einzelnen Mitglieder. Erstmals entstehen Teile des Albums im eigenen Studio. Produziert hat der spätere Miss Kittin und Chicks on Speed Produzent Thies Mynther. Die erste Single „Big in Berlin“ beweist die Fähigkeit der Band, Fast-Hits im positiven Sinne zu schreiben. Für die zweite Single „Das Bisschen Besser“ nimmt die Band dann erstmals einen Videodreh selbst in die Hand. Während der Produktion wird aber auch deutlich, dass die alte Bandkonstellation nicht mehr trägt. Die Sterne und Frank Will alias Orgel gehen nach einer letzten gemeinsamen Tour getrennte Wege.
Die Band entschließt sich ein neues Umfeld zu schaffen, um einen Neustart zu ermöglichen. Mit Richard von der Schulenburg kommt jemand neu hinzu, der die Band nur aus der Distanz kennt. Es gibt ein neues Management (Superb), eine neue Plattenfirma (Virgin). Rothfos und Gabler – nicht mehr Bianca Gabriel – sind für die graphische Seite der Veröffentlichung von IRRES LICHT (2002) verantwortlich und mit Olaf Opal ist ein neuer Produzent an Bord. Die für Sterneverhältnisse ausgedehnte Produktionszeit wird genutzt, um zueinander zu finden. Vom Gefühl des Aufbruchs getragen, wird es das hellste, popigste Album bis dahin.
Nach der langen Produktionszeit von IRRES LICHT geht man beim 10jährigen Bandjubiläum den umgekehrten Weg. Das Genre Live-Album soll mit leichter Hand erobert und damit zugleich eine wichtige Seite und große Stärke der Band dokumentiert werden. An einem Wochenende wird zu drei Shows mit Gästen ins Hamburger Westwerk geladen, um LIVE IM WESTWERK (2003) aufzunehmen. Die Kabel enden im Keller des Gebäudes, wo Olaf Opal und Tobias Levin erstmals gemeinsam an den Reglern sitzen. „Sorglos“, Titelmelodie des Kinofilms „Verschwende Deine Jugend“, heißt die dazu gehörige Single.
„Unser Anliegen richtig/ unser Sound richtig fett/ wir geben euch gerechtes Brett“: Es wird bissiger, politischer. „Gerechtes Brett“, richtungsweisende Single zwischen zwei Alben, ist im eigenen Studio entstanden, das Video selbst gedreht und auf Franks Rechner geschnitten. DAS WELTALL IST ZU WEIT (2004) ist gleichzeitig Heimkommen zum Do It Yourself Prinzip des Beginns und Erobern neuer Möglichkeiten. Auch das komplette Album wird selbst aufgenommen. Viele Bereiche rund um die Veröffentlichung füllen Die Sterne nun selbst aus. Wiederum wird ein neues Management engagiert (bei Schlüter) und die Plattenfirma gewechselt (V2). Die Sprache und der Sound sind klarer und direkter. Die Platte formuliert die Ohnmacht des Einzelnen gegen die wirkenden Mächte und den Wunsch nach einer gemeinsamen Opposition.
Fortsetzung folgt….
Noch mehr Infos und einen netter Trailer gibts auf der Sterne-Microsite.
Und alle anstehenden Tourdaten natürlich in der Liveliste.
Die Sterne Die Interessanten - Singles 1992-2004
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