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Universum

Album-CD - 17146-2

out Nov 04

Wer ist Richard von der Schulenburg? Und was macht der da?

Früher sah man ihn – nennt ihn Richard – oft in einer sehr orangefarbenen Hamburger Bar sehr alte Platten auflegen. Er spielte orgelige Beatmusik und schiefen Soul. Wir fühlten uns wie Bonbons und tanzten.

Oft saß Richard auch hinter einer elektrischen Orgel und tastete krude Melodien. Seine Band hieß Top Banana Trio und war eine anarchistische Synapsen-Attacke – rau, roh und minimalistisch. Manchmal war er auch allein und spielte AC/DC-Medleys. Merkwürdig war das. Wir wunderten uns und wackelten im Takt. Und alle fragten: Was macht der da?

Dann wurde Richard Keyboarder der Hamburger Rockgruppe Die Sterne. Denen hat er einen Schuss Soul und Witz verpasst. Gute Idee. Die lassen ihn so schnell nicht gehen.

Vor zwei Jahren geschah dann etwas anderes: Richard veröffentlichte ein Soloalbum. Es hieß „Das ist schön“ und war so ziemlich das merkwürdigste, was man im Jahr 2002 zu hören bekam. DaDa-Texte zu schiefen Orgeleien. Liebeslieder aus dem Poesiealbum eines Weltabwesenden. Da waren die Blumen rosa, die Schnallenschuhe zu groß, die Bienen besoffen. Wegen der völligen Abwesenheit von Ironie in diesem wirren Haufen schräger Lieder dachten alle: Der spinnt, der Typ.

Es ist aber so: nämlich anders.

„Universum“ heißt das zweite Album des 30Jährigen (erscheint am 2.11.04) und plötzlich ist klar: Richard ist ein Medium. Weniger Solokünstler, denn Schnittstelle für eine Crew aus Kreativen und den Kunstformen Film, Performance, Musik. Wir hören auf diesem Album – alles. Metal-Riffs, Techno-Beats, Casio-Fiepen, barocke Partituren, Vocoder-Stimmen, Rock’n’Roll, Flamenco-Gitarren, kosmische Geräusche, R’n’B-Rhythmen; kurzum: eine Milchstraße aus Musik, die von DJ Phono (Deichkind/Extra) dick abgemischt und mit Richards neuer, intergalaktischer Band (Olve Strelow, Henrik Lafrenz und Torben Widdermann) eingespielt wurde. Ein Album als popkulturelles Kaleidoskop, als musikalischer Rundumschlag. Und weil Richard ein von Grund auf neugieriger und über alle Maßen für Klänge begeisterungsfähiger Mensch ist, weil er mit riesengroßen Ohren durch die Welt wandert und absorbiert, was ihm gefällt – deswegen ist man erst mal ganz baff ob der Vielzahl der unkonventionell zusammengesetzten Töne, die man in seinem „Universum“ hört. Sehen kann man auch. Zu drei Liedern des Albums hat das „Universum“-Crew-Mitglied Stefanie Ressin herrliche Filme gedreht. In denen schwebt Richard, tanzt im Astronauten-Anzug, sitzt vor einem Flügel und rockt den „Boogie Woogie“, die erste Single.

Aber, was singt der da? Es dreht sich ums All, ums Universum, um Kometen, Außerirdische und zerfließende Dinge. Was soll das? „Es geht darum, die Dinge allgemeiner zu formulieren“, sagt Richard. „Wie immer habe ich zu der Musik Texte improvisiert. Und dabei hat sich herausgestellt, dass ich mit diesen Assoziationsbegriffen vom All und Universum besser ausdrücken kann, was ich sagen möchte.“ Das Hauptthema ist Entfremdung. Wir leben fremdbestimmt durch die Umstände unseres Daseins. Das zu beschreiben, war Richards Ziel. Man höre das Lied „Komet“. Und Richard fliegt weiter. Denn die Entfremdung vom Selbst einfach nur hinzunehmen, ist nicht ratsam, macht unglücklich. Der Weg ist die Selbstfindung durch das Erkennen des Ganzen. Richard, der Astronaut, reist durch das Universum und sieht die Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven. Eine Reise gegen die Resignation. Ein Album für den Aufbruch. Das tut sehr gut.

Richard Universum
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