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Grom sind zwei junge Männer, die sich morgens vielleicht aus klebrigen,
verschwitzen Laken winden und auf ihren Pressefotos in Unterhemden posieren könnten. Sie sind prätentiös und ihre Musik ist es auch. Alles ist
offensichtlich, nichts ist klar. Daß das ganze dennoch funktioniert und an
keiner Stelle abschmiert, mag daran liegen, daß Grom “das gute Gefühl”
benützen, ihr Aufbruch braucht ein Fundament. Nämlich eines, daß die
Möglichkeit des Scheiterns miteinbezieht und Skepsis zulässt – und damit
vielleicht erstmals überhaupt einen Weg findet. Grom wollen wieder ein “dieses Stück verdichtet alles, was mir wichtig ist”-Gefühl beim Tanzen haben. Dafür schreiten sie die Grenzen des Genres Tanzmusik ab, ohne sich ins Niemandsland zu begeben. Dabei geben sich Grom nie eindeutig: Im Stück “Love/Rocket” fällt die Zeile “My heart is a rocket”” in ein ernüchterndes “when I try to be with you”. In “Ourfree” dichten Grom über fröhlich springende Beats unerwartet ein “This is just another way for you to survive for a while”. In ihren Songs werden die Fragmente aneinandergefügt, bis wechselseitiges Steigern und Sich-Aufheben eine wohlige Brücke schlagen. Eine gerade Linie wird von Grom vermieden. Sie setzen auf die leichte Dissonanz, die kleine Intervention, auf die Vermeidung von Sicherheit. Ihre Musik bleibt Track, strebt aber nach
Erzählung.
Diese Ambivalenz schlägt sich auch im CD-Titel “Sadness Sells” nieder. Hier werden Antithesen angespitzt, aufeinander losgejagt, und mit staunenden Kinderaugen wird geschaut, was wohl übrig bleibt. Grom bleiben Bilderstürmer.
Sie tragen martialische Catsuits und kalkulieren die Provokation über die bewusste Aussage hinaus ein. Sie versuchen gar nicht erst zu kontrollieren, was sie nicht kontrollieren könnten: Die Assoziationen ihres Publikums.
Das Wort “Grom” sollte daher eigentlich keine Bedeutung haben, damit es
formbar bleibt. Doch in dieser Welt gibt es wohl kein Drei-Konsonanten-Ein-Vokal-Wort, das nicht schon benutzt würde.
Grom selbst ist das im Zweifelsfall nicht so wichtig.

Charlotte Goltermann