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Eagle*Seagull

Eagle*Seagull
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  • Eli Mardock- leadvocals
  • J.J. Idt – guitar and banjo
  • Mike Overfield – bass
  • Carrie Butler- violin and keyboards
  • Austin Skiles – guitar
  • Britt Hayes – drums

Art-Pop a la Blonde Redhead. Das bittersüß Erhabene von David Bowie ca. „Hunky Dory“. Die Verschrobenheit von The Arcade Fire, die Athmosphären von Interpol, die Lässigkeit von Pavement. Mit vielen Bands und Künstlern sind eagle*seagull verglichen worden, dabei klingen sie wie keine einzige von ihnen. Die Muss-Platte der US-Undergroundsaison stammt von fünf Sonderlingen plus Dame, aus Lincoln, Nebraska.

Lincoln, Nebraska? Nie gehört. Klingt nach musikalischem Niemandsland, oder? Falsch: „Die Szene von Lincoln und die von Omaha sind eigentlich ein und die selbe“, erklärt Eli Mardock, seines Zeichens Gründer, Songwriter, Sänger, Booker und und und. Erstes Aufhorchen: Omaha, Nebraska, ist schließlich mit seinem Saddle Creek Label und all den zahlreichen Acts von Bright Eyes bis The Faint weltweit zum Begriff geworden als DIE Szeneinsel im amerikanischen Heartland. Das benachbarte Lincoln wurde offenbar bisher einfach übersehen. „Gut, Omaha ist ein ganzes Stück größer, dafür ist Lincoln die liberalere Stadt. Eine College Town, in der die Studenten schon dafür sorgen, dass es eine gesunde Szene gibt. Es gibt viele Auftrittsmöglichkeiten und mit 25.000 College-Kids in der Stadt ist es auch nicht zu schwer, vor vollem Haus zu spielen.“

Also doch ein guter Ort, um Gleichgesinnte zu finden. Eine Band, deren Ideen nicht bei den üblichen Referenzpunkten Halt machen. „Angefangen haben wir zu dritt: JJ (Idt, Gitarre Banjo), Mikey O (=Mick Overfield, Bass) und ich an der Gitarre. Unsere ersten Songs hatten noch einen alt.country sound, a la Wilco.“ Inzwischen ist man zu sechst. Inzwischen ist alt.country nur noch einer von vielen Startpunkten, von denen aus die eagle*seagulls Musik Wanderungen in alle erdenklichen Richtungen unternimmt. Eli: „Als ich von der Gitarre an die Orgel wechselte, hat das unseren Sound komplett umgekrempelt“.

Ihre ersten Shows in Lincoln und Omaha spielten eagle*seagull ab Oktober 2004. Ab da folgten regelmäßige Auftritte, die in der Nebraska-Szene für einen ordentlichen Hype sorgten. Dieser rief einen gewissen Brian Vaughan herbei: Der ehemalige Praktikant bei Sup Pop und Saddle Creek war im Begriff, in Nashville sein eigenes Label Paper Garden Records zu gründen und hatte eagle*seagull für die Katalognummer 001 auserkoren. Die bisher unregelmäßig im Schlafzimmer eingespielten ersten Aufnahmen wurden fürs Album zusammengestellt und im Oktober 05, ein Jahr nach dem ersten Konzert war das Debütalbum von eagle*seagull auf dem neuen Kleinlabel veröffentlicht.

Was jetzt folgte, war ein Buzz von fast Clap Your Hands-schen Ausmaßen. Famose Reaktionen in den Online-Foren, begeisterte Rezensionen in der Undergroundpresse. Auftauchen in diversen „Best Of 2005“ und „Bands to watch 2006“ polls – zu viele, um hier alle aufzulisten. Unsere Jungs (und Mädchen) aus Lincoln entwickelten sich über die Folgemonate zum „hip name to drop“ und Paper Garden, obwohl noch ohne nationalen Vertrieb, musste/durfte schon zum wiederholten Male die Auflage nachpressen.

Und all dieser Aufruhr, das muss man an dieser Stelle noch einmal betonen, entsteht um eine Band, die man – und das ist dann doch die Parallele zu The Arcade Fire und Clap Your Hands – in kein existierendes Genre einordnen kann. Die ihre ganz eigene Welt schafft. Deren Songs geradezu chartsfeindlich selten unter der 5-Minuten-Marke bleiben und die ihre Geheimnisse auch erst nach und nach preisgeben. Ein Seemanns-Schlaflied-Walzer „Death Could Be At The Door“ liefert den missing link zwischen den Decemberists und „Disintegration“ von The Cure. „Your Beauty Is A Knife I Turn On My Thoroat“ dagegen holt ein Music-Hall-Piano hervor, „Hello, Never“ begrüßt den verlorenen Cousin von Pavements „Range Life“, während das frenetische „Photograph“ The Arcade Fire auf Fast Forward durch eine New Order-Disco jagt.

Aber auch dies ist nur ein weiterer Haufen Referenzpunkte, die nur andeuten, wie eagle*seagull tatsächlich klingen. Wobei sich die Frage nach der Richtung für Eli von vornherein nicht stellt „Wir lieben die Lieder und wir lieben einander. Es macht uns einen Riesenspaß und das ist die erste Priorität.“ Wetten? Auch wir werden diese Saison mit eagle*seagull noch viel Spaß haben.