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1992 ist der Gitarren- Indie- Rock zwar nicht tot, aber tot langweilig. Es gibt interessantere Sachen. N.W.A., LL Cool J, Public Enemy und De La Soul zum Beispiel. Und die Musik, die von ihnen benutzt wurde. Sly Stone, Parliament und das ganze funky Zeug. Und Clubs, wo das gespielt wird. Und Kneipen, wo darüber geredet wird. Und Menschen, die mittendrin sind.
Unter ihnen Frank Spilker (voc., git.), Thomas Wenzel (Bass), Frank Will (E- Piano) und Christoph Leich (dr.).

Frank Spilker kommt aus einer Clique rund um Bad Salzuflen, die das Kassettenlabel Fast Weltweit betreibt. Mit dabei sind unter anderem auch Bernadette Hengst (Die Braut Haut Ins Auge), Jochen Distelmeyer (Blumfeld) und Achim Knorr (Der Fremde). Es geht um den subversiven, intelligenten Popsong. Und Frank gelingt das schon damals, Mitte der 80er, unter dem Namen “Die Sterne” bzw. später “Sterne, die” mit Stücken wie “Ein verregneter Sommer” auch sehr gut.
Thomas Wenzel ist der Gitarrengott der Countryformation “Calamity Jane” aus dem Umfeld der Goldenen Zitronen. Er ist so gut, dass sich der Gitarrist der Goldenen Zitronen, Ted Geier, weigert, mit ihm zusammenzuarbeiten. (ein Entschluss, den er später rückgängig machen wird). Das ist auch gut so, denn so haben er und sein Kumpel Frank Will, der auch schon bei einem Stück von Huah! Saxophon gespielt hat, mehr Zeit. Und können Frank Spilkers Frage, ob sie nicht Lust hätten, mit ihm eine Band zu gründen, mit ja beantworten.
Als Frank Möller, der Sänger von “Huah!”, eine Split- Single zusammenstellt, fragen die drei Christoph Leich, eine männliche Tresenschlampe in einem der Clubs, wo Soul und 70er Funk gespielt wird, Schlagzeuger der 1991 aufgelösten Band “Kolossale Jugend” und Autor dieses Textes, ob er nicht Lust hätte, bei ihnen mitzuspielen. Die Band ist komplett.
Die vier übernehmen Frank Spilkers alten Bandnahmen “Die Sterne” und beschließen, gemeinsam ein neues Kapitel in der deutschsprachigen Rockmusik aufzuschlagen. Denn Hip Hop ist gut, aber anstatt sich ewig mit dem Klären der Rechte für Samples herumzuschlagen, ist es doch viel einfacher, Lieblingspassagen von Stücken selbst zu spielen und sie mit deutschsprachigen Texten zu überdachen. Die Grundidee der Rockband “Die Sterne” ist geboren
1992 wird die erste Vinyl- Maxi “Fickt das System” aufgenommen, 1993 und 1994 folgen die beiden Alben “Wichtig” und “in Echt”. Es geht um Zitate und um live- Spielbarkeit. Um Basslinien und Sprechgesangsfluss. Und um die Texte, die sich vornehmlich mit der Berichterstattung aus sozialen Gefügen, sei es die Clique, der Freund/ die Freundin oder die Kneipenszene, beschäftigen. Das Video der Singleauskopplung „Universal Tellerwäscher“ von der CD „in Echt“ geht bei Viva und MTV in die Rotation.
Zwischen den beiden Alben findet 1993 auf Grund der rechtsradikalen Übergriffe die von Hamburg und Köln aus organisierte Tournee “Etwas besseres als die Nation” durch die neuen Bundesländer statt. Mit dabei sind unter anderem auch “Die Goldenen Zitronen”, “Absolute Beginner”, “Blumfeld” und eben auch “Die Sterne”. Auch wenn das Urteil wegen der einseitig westdeutschen Organisation nicht nur positiv ist, werden doch das Publikum und die Printmedien für die politischen Belange und Zusammenhänge sensibilisiert.
1996 folgt das Album Posen mit dem Hit “Was hat dich bloß so ruiniert”. Die Grundsätze der Sterne sind hier sehr kompakt vereinigt. So zitiert “Was hat dich bloß so ruiniert” den Klassiker “House Of The Rising Sun” von den “Animals”, während in einem Stück wie “Themenläden” eher die Arbeit an Basslinien und Sprechgesang demonstriert. Dieses Stück ist fast schon ein Track, wie er auch im Vokal House benutzt wird. Die Konzerthallen sind ausverkauft.
In den folgenden Jahren erscheint 1997 “Von allen Gedanken schätze ich doch am meisten die Interessanten” und 1999 “Wo ist hier”. Während sich “Von allen Gedanken…” mit der Arbeit an Songs beschäftigt, liegt das Augenmerk bei “Wo ist hier” mehr bei der Arbeit mit Tracks.
Zwischen diesen beiden Platten ergeben sich eine Menge Aktivitäten. Frank Will und Thomas Wenzel liefern den Soundtrack zum Kinofilm “Der Strand von Trouville”, Frank Spilker und Christoph Leich machen die Musik zum Film “Dunckel”, der einen Grimme Preis erhält.
1998 lädt das Goethe Institut zudem die Sterne zu einer Tournee durch Kanada, die U.S.A. und Mexiko ein.
In Erinnerung bleiben tanzende Cowboyhüte in einem Blues- Schuppen in Austin/ Texas, nicht enden wollende una mas Rufe in Mexico City und heimliches Rauchen und Biertrinken vor dem Hintereingang einer Highschool in Boston. Wobei die Schüler den Sternen zeigten, wo man das unbemerkt machen kann.
Die äußeren Grenzen sind ausgelotet, jetzt geht es um die inneren. Frank Will erkennt eines Abends, dass er erst sein Verhältnis zur bundesdeutschen Parklandschaft klären muss, bevor er weiterarbeiten kann und konzentriert sich auf seine Arbeit als Landschafts- und Gartenbauarchitekt. Wer aber kann ihn ersetzen? Das E- Piano ist wesentlicher Bestandteil des Klanges der Sterne und das soll auch so bleiben. Thomas hat bei einem Konzert des Top Banana Trios Bekanntschaft mit einem jungen, talentierten Tastenwizard gemacht. Sein Name: Richard von der Schulenburg. Seine Qualifikation: er kann exzellent spielen, sieht gut aus und hat blaues Blut. Ein neuer Keyboarder ist bei den Sternen.
Bei der Arbeit an den neuen Stücken müssen sich die Sterne jetzt nur noch auf ihre Stärken besinnen: das Zitat, die live- Spielbarkeit, die Songform und die Texte. Einfach, aber genial.
Produziert wird die Platte von Olaf Opal, der durch seine Arbeit mit z.B. “The Notwist” niemandem mehr beweisen muss, dass er der Mann für druckvolle und zugleich interessante Sounds ist. Im Sommer bis Herbst 2001 wird die neue Platte aufgenommen und abgemischt.
Diese Aufnahmen landen schließlich bei der Plattenfirma Virgin, die begeistert ist. Die Sterne sind davon begeistert, dass in der Kantine der Virgin das komplette Album “High Voltage” von AC/DC durchläuft.
Die Platte ist fertig, es kann losgehen.