your artist:

8doogymoto

8doogymoto
all artists:
info

8doogymoto heisst die Verschmelzung dreier Seelen aus den unterschiedlichsten Himmels- und Musikrichtungen. Synthesizer, Beatbox plus Schlagzeug und pure Stimmgewalt in japanischer, englischer und ein bisschen deutscher Sprache verdichten sich zu konkreten, elektronischen Klangmustern irgendwo zwischen Futuristic-House, Hiphop und japanische Countrysongs.

Fumi Udo, die japanische Seele des Projekts, bedient Stimme und Synthies mit dem verrauchten Charme einer Bardame aus der Triade Berlin – New York – Kumamoto. Ihre gagaistisch anmutenden Texte sind vergleichbar mit der englischen Übersetzung einer japanischen Speisekarte via Babelfish, inklusive Weiterverarbeitung ins deutsche und Rücktransfer ins japanische. Auch Bandmitglieder Heinrich Köbberling und Viktor Marek greifen zum Mikro, wenn es der Track verlangt. Sonst sitzt Jazz-Bro’ Heinrich am Schlagzeug und den Tasten; Viktor Marek, osteuropäischer Quotenmusiker, spielt Gitarre, sammelt Analog-Synthies, schiebt die Regler am Mixer, und programmiert die Beats im Haiku-Takt.

Mitte der 80er Jahre wäre ihre Geschichte nicht weiter auffällig gewesen und hätte auch in einem Drehbuch von Alan Parker stehen können. Doch dass sich zur Jahrtausendwende Musiker ausgerechnet in Proberäumen treffen und eine Band gründen, die fortschrittliche elektronische Beatmusik macht, ist schon eine kleine Sensation. Irgendwo im Hamburger Karoviertel: Wahl-New Yorker und Neu-Berliner Heinrich Köbberling ist auf Heimatbesuch in der Hansestadt, übt in seiner Wohnung ein wenig Schlagzeug und trifft dort den untermietenden Beatboxbasher Viktor Marek. Man versteht sich. Für Heinrich der Einstieg in eine neue Musikdimension – bisher gab es für den Jazzmusiker kaum Schnittstellen zur elektronischen Musik. Nur wenig später kommt Fumi Udo ins Spiel – aus New York zu Besuch in Hamburg trifft man sich zufällig und nun schlägt die Liebe zu: die drei fangen Feuer. In der unwirklichen Atmosphäre der letzten vermieteten Wohnung im Haus mit Holzvertäfelung an den Wänden werden nun Beatboxen programmiert, Synthie-Sounds ausgetüftelt und Klang-klötzchen verschoben. Einzig Heinrichs Schlagzeugs und Viktors Gitarre zeugen von einer Herkunft aus einer längst vergangenen Epoche.

Elektronische Musik kennt man allenfalls als Wohnzimmer-produktion, weshalb man bei 8doogymoto den Eindruck einer Band nie wirklich los wird. Das liegt nicht nur an Heinrichs Schlagzeugeinsatz, vor allem bei ihren Live-Auftritten verspürt man den leicht spröden, privaten Charme. Es wird hart gerockt, das elektronische Equipment geschunden wie seinerzeit die Gitarre von Ritchie Blackmore, um im nächsten Moment eine zuckersüße House Ballade zu spielen. Genau das ist das verblüffend Neue an 8doogymoto – ihr Entwurf von elektronischer Musik hat etwas handgemachtes, authentisches. Es geht um drei Vollblutmusiker, die ihren Umgang mit digitalen Klängen nicht hinter Robotermasken verstecken wollen. Das überzeugte auch Matthew Herbert, der “Dakewa” für sein Label Accidental lizensierte. Der Song erscheint im Juni auf einer Vinylcompilation. Ebenfalls geplant ist eine 8dm-Maxi auf Accidental Rec.

Ein Zeichen dafür, das 8doogymotos Musik auch auf Platte den gewissen Kick behält, der das Tanzbein schwingen oder den Kopf schütteln lässt. Ihr erstes Album auf dem Hamburger Label Reis Schallplatten wirbelte Anfang des Jahre durch die Presse und handbestückte Plattenläden.

8doogymoto ist keine Avantgarde, sondern könnte einmal als “klassische Dreier-Formation” in die Geschichte der elektronischen Musik eingehen.
Gerd Ribbeck (mfoc)